München (dpa) - Die Zuschauer bleiben weg, die Langeweile steigt und die Clubs schieben Frust - nach einem Viertel der Vorrunde protestieren die Vereine der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen den aufgeblähten Spielplan und fordern Reformen. „Ein Heimspiel sollte ein Festtag sein. Wenn wir bei 16 Mannschaften bleiben wollen, müssen wir den Modus ändern“, sagt Geschäftsführer Holger Rathke von den Kölner Haien.
Der Zuschauerkrösus der vergangenen Jahre spürt die Rezession. In den bisherigen zehn Heimspielen in der Kölnarena wurde nur drei Mal die 10.000-Zuschauer-Marke durchbrochen. Die Gesamtsituation ist ebenso ernüchternd: Von den 16 Clubs beklagen zehn zum Teil deutliche Einbrüche der Zuschauerzahlen.
Auf der Gesellschafterversammlung am Donnerstag wollen die Kölner einen neuen Vorstoß in Sachen Modusänderung unternehmen und sind dabei nicht allein. Auch andere Vereine machen Front gegen die 60 Spiele in der Vorrunde, die bis zum Jahresende zur regelrechten Terminhatz wird.
Hohe Spielbelastung wegen Olympia
Die Unterbrechung der Meisterschaft wegen der Olympischen Winterspiele erfordert in den kommenden Wochen Spiele am Fließband: Sonntag, Dienstag und Freitag - sogar Mittwoch-Spieltage stehen auf dem Programm. Betroffen sind die Fans, für die die DEL zur täglichen Routine wird, aber auch die Aktiven, denen kaum noch Zeit zur Regeneration bleibt.
„Die hohe Spielbelastung führt zu erhöhter Verletzungsanfälligkeit, und die viele Reiserei schlaucht“, sagt der Kölner Nationalverteidiger Jörg Mayr. Wie Kölns Sportdirektor Lance Nethery oder Trainer Hans Zach von den Kassel Huskies plädiert deshalb auch Marcus Kuhl für eine Reduzierung der Profiklasse.
„Mit zwölf statt 16 Mannschaften lässt sich leichter eine Doppelrunde spielen“, meint der Manager des deutschen Meisters Adler Mannheim. „Eishockey ist ein relativ teurer Sport für Zuschauer. Deshalb sollten wir versuchen, zu den klassischen Eishockeytagen Freitag und Sonntag zurückzukehren“, fordert Augsburgs Trainer Daniel Naud.
Doch die Reformer dürften bei der Mehrzahl der DEL-Gesellschafter erneut auf taube Ohren stoßen, nachdem bereits Anfang dieses Jahres ein Modell zur Reduzierung der Vorrundenspiele abgelehnt wurde. Damals hatten Nethery und Manager Max Fedra von den München Barons vorgeschlagen, die DEL in regionale Gruppen aufzuteilen.
Wenig besser als gar keine Zuschauer
Das Fedra-Modell hätte eine Reduzierung der Vorrundenbegegnungen auf 44 Spiele bewirkt. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke verteidigt den geltenden Modus: „Jede Alternative, die ich kenne, ist schlechter als der jetzige Modus. Wenn wir nur noch 44 oder 50 Spiele haben, wird den kleinen Clubs noch mehr die wirtschaftliche Basis entzogen.“
Den „kleinen“ Klubs bereitet die Spiele-Inflation kein Kopfzerbrechen. So liegen die Augsburger Panther, die Schwenninger Wild Wings oder die Moskitos Essen nach 15 Spieltagen deutlich im Zuschauerplus. Mit 4.914 Besuchern ist sogar der Zuschauerschnitt höher als in der vergangenen Saison, als inklusive der Playoffs durchschnittlich 4.617 Fans in die Stadien kamen.
Auch die Kaufleute bei den Vereinen beklagen sich nicht. „Auch ein schlecht besuchtes Heimspiel ist besser als gar kein Spiel“, sagt der Mannheimer Geschäftsführer Matthias Binder.
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